P. Edgar Tschiky


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P. Edgar Tschirky, Kapuziner





In Deinen letzten Lebenstagen, schwer gezeichnet durch die Alzhelmer

Krankheit, konnte ich Dir nichts mehr sagen, auf das Du geantwortet hättest.

Oder vielleicht doch? Mit meinem priesterlichen Segen und einem innigen

«Asante sana, Ndugu Edgar! » verabschiedete ich mich fünf Stunden vor

Deinem Tod; es war am Sonntagmorgen, dem 12. Januar 1997 vor 04.00 Uhr.

Der unermüdliche Br. Raymund besorgte die letzte Pflege. Zurück auf meinem

Zimmer erinnerte ich mich an meine Dienste im Jahre 1978 an vielen

Cholerakranken in Mlunba, wo ich nur mit dem Schutz von. Chloiomycetin

Sterbende ins Spital transportierte und bald nachher beerdigen konnte. Im Tode

sind wir einmal alle gleich; aber im Sterben ist jeder auf seine Art «der socius in

passione» unseren Herrn Jesus Christus.

Im Rückblick auf unser gemeinsames missionarisches Leben in Tanganyika/

Tanzania von 1952 bis 1978 erinnere ich mich an ein ganz besonderes

Vorkommnis: Als Schulinspektor war ich mit drei Afrikanern auf dem langen

Weg zu Dir in Kilolero, zu Deutsch «Zur schönen Aussicht». Nicht nur der

tropische Regen prasselte nieder, den ganzen Weg von Malyni bis Kilolero

durchwateten wir bis zur Hüfte die überschwemmten Felder; der Abschluss war

ein breiter reissender Fluss, bevor wir die kurze Anhöhe hinauf im Trockenen zu

Deinem Pfarrhaus kamen. Dann geschah das für mich Unvergessliche: Deine

Gastfreundschaft! Du zeigtest mir den Duschraum und dann das Gastzimmer,

wo ich fein ausgelegt saubere, frischgebügelte Kleider fand, die mich als

gepflegten Schulinspektor vor Deinem Lehrpersonal und Deinen Schulkindern

erscheinen liessen. Unvergesslich bleibt dieser gastfreundliche Empfang. Am

Morgen meiner Rückkehr fand ich dann alle meine persönlichen Safarikleider

sauber gewaschen und gebügelt.

Inmitten von Animisten, Mohammedanern und Christen war das für Dich

selbstverständlich: die Gastfreundschaft gehört wesentlich zum Christsein.

Gutes Christentum ist ohne Gastfreundschaft undenkbar. Deine

Gastfreundschaft kam aus dem Bewusstsein, dass wir alle unterwegs sind und

dass dieses «Unterwegssein» nicht immer leicht ist. Daher ist es gut, wenn

einem Trost und Anerkennung zuteil und das Gefühl gegeben wird, auf

unserem. Weg nicht nur nicht alleingelassen, sondern auch geliebt zu sein.

Dieses Liebeserlebnis blieb alle Jahre hindurch in mir wach bis hinein in Deine

Sterbestunde.

Wie kaum ein anderer Schweizermissionar hast Du während der Kriegszeit dem

Willen Deiner Obern entsprochen und hast als Vikar oder Pfarrer auf

verschiedenen Stationen als Seelsorger und «Arzt» gewirkt, immer so, dass

deutsche Benediktiner mit uns Schweizern nach den Anordnungen der

englischen Verwaltungsbehörden das «Ora et Labora» verwirklichen konnten.

Das war auch so in Igota, wozu der Chronist schreibt: «Als Superior von Igota,

der Station in der Strassengabel zu den malariafreien Pfarreien der Mahenge-

Berge und den malariaverseuchten Pfarreien der Ulangaebene, hast Du Dich als

frohmütiger, freigebiger Gastgeber bei den vorbeifahrenden, verstaubten und

ermüdeten afrikanischen und europäischen Missionarinnen und Missionaren

einen guten Namen geschaffen.» Dein Wort aus dieser Zeit in Igota ist bezeugt

und ehrt Dich als unermüdlicher Pfarrer und Gastpater: «Ich war einfach

erschöpft.»

Von 1972 bis 1983 lösten sich Heimaturlaub und erneuter Einsatz

krankheitsbedingt immer schneller ab. Das Kloster Wesemlin in Luzern, wo Du

am 13. Sept. 1930 als Kapuzinernovize eingekleidet worden bist, war dann Dein

letzter Ort des Betens und Arbeitens, bis Du als Buchbinder das Messer und den

Faden, als Rosenkranzmacher die Zange und den Draht, als Beter Dein Brevier

und Deinen Rosenkranz und Deine Trompete, mit der Du Deine Anvertrauten

wie der Muezzin vom Minarett die Zeiten zum Gebet verkündet hast, weglegen

musstest.

Lieber Edgar, heute ging ich zu Deinem Grab auf unserem neuen Friedhof. Da

erinnerte ich mich an das Wort einer ehemaligen Krankenschwester: «Wenn ein

Mensch krank ist und viele Rätsel aufgibt, ist man um so mehr gefordert, seiner

Persönlichkeit entsprechend zu begegnen und ihm unsere mögliche Zuwendung

zu schenken». Edgar, Du hinterlässt eine grosse Lücke die Liebe aber bleibt.

Gallus Steiner

P. Edgarus Tschirky a Mels SQ- in saec.: A,1oy"yilis, parentes: Carühts et

Maria Kähne. Natus est 1909 Sept. 26 Ganter~ch~t11 SG ibique Oet. 3

balgtizattis. Vestilus Liwernae 1930 Sept. 13 sub inagistro P. Ignatio i.c.

niaiiii,.s 1931 Sept. 15 professionein teniporariani einisit, deinde Sta.ntii st. Igh.,

1933 Seduni st. ph., 1934 Friburgi st. th. ibi 1934 Sept. 15in manus P. Hilarini

prqfessioiiem soleinnein, enlisit, 1935 Solodori st. th., ibi 1936 Sept. 19 ad

subdiaconation, Sept. 20 ad diaconattun et 7937,fill. 4 ad

presbyteratuinpromotusest, 1938Siti-laci, 1939Jun. 4 inissionarius in

Daressalaa111, redia inproi~. 1960Dec. 21, deinde WyIae coricioiiatoicoiifessat-

iii~gqite,.1962 Melsii CC, 1963 WyIae CC, 1964 Aug. 25 ex inissione

defiiiitii7e dimissus, 1966 Dec. 74 missionarius Mahenge, 1981 Aug. 15 transiit

vieeproi2. Tanzania, 1980jub. relig.' 1983 redux inprovinciam,,198.3

Lticerii.ae,,1987 iiib. sacerd.; 1997.Jan. .12 obiitpie in Domitio in aet. 88, relig.

67., sacerd. 60 et sepultits est in coeineterio nostro. Missionarius tranquillus

sernper ad auxilium proniptus. R.I.P. (prot. inai. 11, 123)